You are at: Der Stammbaum arrow Stammbaum Menschen arrow Ein Pflegekind aufnehmen - die wichtigsten Infos, 1. Teil
Ein Pflegekind aufnehmen - die wichtigsten Infos, 1. Teil E-mail

Ein Pflegekind aufnehmen - die wichtigsten Infos, 1. Teil

 

Wer einem Kind vorübergehend eine Familie und ein zu Hause bieten oder dauerhaft für ein Pflege- oder Flüchtlingskind sorgen möchte, übernimmt eine wichtige und wertvolle Aufgabe. Denn Pflegefamilien werden gebraucht, um sowohl den Kindern als auch deren leiblichen Eltern zu helfen.

Nur: Wie wird eine Familie eigentlich zur Pflegefamilie? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, wenn jemand ein Pflegekind aufnehmen möchte? Wie ist der Ablauf? Und was genau ist überhaupt ein Pflegekind? In einem zweiteiligen Ratgeber haben wir die wichtigsten Infos rund um Pflegekinderwesen zusammengestellt.

 

Was ist ein Pflegekind?

Aus juristischer Sicht unterscheidet sich die Pflegschaft deutlich von einer Adoption. Adoptiert eine Familie ein Kind, haben die Adoptiveltern automatisch alle Rechte. Dazu gehört auch das Sorgerecht. Adoptiveltern sind damit letztlich leiblichen Eltern gleichgestellt.

Im Unterschied dazu sollen Pflegeeltern die leiblichen Eltern des Kindes eine bestimmte Zeit lang entlasten. Sie nehmen das Pflegekind bei sich auf und geben ihm vorübergehend Geborgenheit und ein zu Hause. Das Ziel ist dabei immer, dass das Kind so schnell wie möglich zu seiner Herkunftsfamilie zurückkehren kann.

Sowohl den Zeitrahmen als auch den Umfang an Aufgaben, die die Pflegefamilie übernimmt, legen die Jugendämter und die Gerichte fest. Anders als ein Adoptivkind bleibt ein Pflegekind rechtlich gesehen das Kind seiner leiblichen Eltern.

Da den leiblichen Eltern das Sorgerecht meist nicht entzogen wird, können sie weiterhin alle wesentlichen Entscheidungen treffen. Das gilt zum Beispiel für die Schulwahl, Urlaube im Ausland oder größere medizinische Eingriffe. Die Pflegeeltern entscheiden hingegen in alltäglichen Dingen, solange das Pflegekind bei ihnen lebt. Weil die Pflegeeltern unterm Strich eine Art Dienstleistung erbringen, haben sie gegenüber dem Jugendamt Anspruch auf eine finanzielle Vergütung. 

 

Wann springen Pflegefamilien ein?

Die Pflegefamilie arbeitet im weitesten Sinne als Partner für und mit dem Jugendamt zusammen. Können die leiblichen Eltern ihr Kind alleine nicht versorgen, betreuen und erziehen, haben sie die Möglichkeit, eine Pflegschaft über das Jugendamt zu beantragen. Ob das Kind dann nur kurzfristig in der Pflegefamilie untergebracht wird oder dauerhaft dort lebt, richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall.

Die Pflegeeltern brauchen Geduld, Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Belastbarkeit. Denn in vielen Fällen bringt ein Pflegekind einen schwierigen Hintergrund mit, kommt aus zerrütteten Verhältnissen, hat schwierige Situationen durchlebt oder kennt das typische Familienleben gar nicht. Schließlich wird ein Kind nicht ohne Grund aus seiner Familie genommen und in die Pflegschaft übergeben.

Als weitere Herausforderung kann die Kommunikation mit den leiblichen Eltern dazukommen. Nicht immer sind die Eltern mit der Entscheidung des Jugendamts einverstanden oder zu einer Zusammenarbeit bereit. Manchmal haben sie andere Ansichten darüber, was das Beste für ihr Kind ist, oder sind selbst körperlich oder psychisch angeschlagen. Tragbare Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten gut leben können, ist dann nicht einfach und erfordert viel Kompromissbereitschaft von den Pflegeeltern.

 

Welche Vorraussetzungen muss eine Pflegefamilie erfüllen?

Künftige Pflegeeltern müssen einige Voraussetzungen erfüllen. Ein Punkt dabei ist der Familienstand. Das Pflegschaftsrecht schreibt zwar keinen bestimmten Familienstand vor. In der Praxis ist es aber so, dass Paare, die verheiratet sind oder lange in einer festen Partnerschaft leben, deutlich bessere Chancen auf eine Zusage haben als Singles. Gehören eigene Kinder zum Haushalt, muss das Pflegekind mindestens zwei Jahre jünger sein als das jüngste leibliche Kind.

Wichtig ist auch, dass die Pflegeeltern in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Bei einer Ehe oder Partnerschaft sollte nachweislich sichergestellt sein, dass der Lebensunterhalt der Familie samt Pflegekind auch ohne das Einkommen des Partners finanziert werden kann. 

Außerdem muss genug Wohnraum vorhanden sein. In vielen Städten und Gemeinden gehört ein eigenes Zimmer für das Pflegekind, das mindestens zehn Quadratmeter groß sein muss, zu den Voraussetzungen für eine Pflegschaft. Generell muss das Pflegekind einen Bereich haben, in dem es sich frei entfalten und in den es sich bei Bedarf zurückziehen kann.

Die künftigen Pflegeeltern müssen zudem Atteste zu ihrem Gesundheitszustand und ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Daneben prüfen die Jugendämter sehr genau, ob die Pflegeeltern bereit sind, das Kind mit seiner Lebensgeschichte anzunehmen. Und ob sie ihm den Halt geben können, den das Pflegekind in seiner Situation braucht. Im Vordergrund steht immer, das Kind aufzufangen und zu unterstützen. Eine Pflegschaft versteht sich nicht als alternative Lösung, wenn der eigene Kinderwunsch unerfüllt geblieben ist und auch eine Adoption nicht geklappt hat.

 

Wie läuft das Bewerbungsverfahren als Pflegefamilie ab?

Die erste Anlaufstelle für Familien, die sich als Pflegefamilien bewerben möchten, ist das örtliche Jugendamt. Am Telefon oder im persönlichen Gespräch können die wichtigsten Fragen geklärt und die verschiedenen Möglichkeiten besprochen werden.

In den meisten Jugendämtern ist ein Pflegekinder-Fachdienst eingerichtet. Über ihn können angehende Pflegeeltern ohne großen bürokratischen Aufwand den Erstkontakt herstellen. Teilweise gibt es in den Städten und Gemeinden auch Verbände, die als Vermittlungsstellen für Pflegschaften tätig sind. Meist zeigt sich schon im Erstgespräch, ob die Bewerbung als Pflegeeltern Aussicht auf Erfolg hat.

Der nächste Schritt ist dann, dass die Pflegeeltern ihre Bewerbung abgeben. Danach folgen mehrere Gespräche mit dem Jugendamt. Diese finden teils im Amt und teils zu Hause bei den Pflegeeltern statt. Denn das Jugendamt schaut sich an, wo und wie das Pflegekind wohnen würde. Zwischen der Aufnahme auf die Bewerberliste bis zur Entscheidung, ob die Familie tatsächlich als Pflegefamilie ausgesucht wird, können mehrere Monate vergehen. An dieser Stelle ist also Geduld gefragt.


War die Bewerbung erfolgreich, nehmen die künftigen Pflegeeltern an Schulungen und Seminaren teil, die sie auf ihre neuen Aufgaben als Pflegemutter und Pflegevater vorbereiten. Wenn dann ein Kind in Pflegschaft gegeben werden soll, prüft das Jugendamt, ob das Kind zu den Lebensumständen der Pflegefamilie passt und die Voraussetzungen dafür gegeben sind, dass alle Beteiligten gut miteinander zurechtkommen. Gerade diese Auswahl kann dauern. Denn nicht jedes Pflegekind ist in jeder Pflegefamilie richtig aufgehoben. Auch hier müssen die Pflegealtern also wieder geduldig abwarten.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

 


 

 
< Prev   Next >

mehr Artikel

5 Fragen zum Erbe mit Nießbrauchrecht 5 Fragen zum Erbe mit Nießbrauchrecht   Das sogenannte Nießbrauchrecht macht es möglich, Vermögenswerte zu übertragen und sie trotzdem weiterhin zu nutzen. Dabei kann sich die Übertragung zu Lebzeiten nicht nur steuerlich lohnen, sondern vor allem Streitigkeiten um die Erbschaft vermeiden. Ob der Nießbrauch die richtige Wahl ist, hängt aber von mehreren Faktoren ab. In diesem Beitrag beantworten wir fünf Fragen zum Erbe mit Nießbrauchrecht.    Ganzen Artikel...

Wenn das Haustier stirbt: Infos zu Tierbestattungen Wenn das Haustier stirbt: Infos zu Tierbestattungen    Rund 30 Millionen Haustiere leben in Deutschland treu an der Seite ihrer Besitzer. Mit etwa 13 Millionen Tieren stehen Katzen auf Platz 1. An zweiter Stelle folgen etwa 8 Millionen Hunde. Kleintiere wie Hamster und Meerschweinchen belegen den dritten Platz.  Ganzen Artikel...

Einige der skurrilsten Forschungsvorhaben Einige der skurrilsten Forschungsvorhaben in der Übersicht Wenn von einem Wissenschaftler die Rede ist, haben viele einen Mann mit Brille und grauen Haaren vor Augen, der in einem weißen Kittel bekleidet in seinem Forschungsraum sitzt, Experimente durchführt, Bücher wälzt und sich ständig mit komplizierten Formeln und mehr oder weniger komplexen Sachverhalten beschäftigt. Insgesamt gilt der Wissenschaftler im Allgemeinen als eher ernst, kompetent und vor allem seriös.   Ganzen Artikel...

Die Vorteile des Singledaseins Die Vorteile des Singledaseins   „Verliebt, verlobt, verheiratet“ gilt gemeinhin als das Ideal für ein glückliches und erfülltes Leben. Dabei bietet auch das Leben ohne einen festen Partner Pluspunkte, die sogar wissenschaftlich bewiesen sind. Aber inwiefern geht es Singles besser als Menschen in einer Beziehung? Und warum kommen nicht jedem die Vorzüge des Lebens als Single gleichermaßen zugute?  Ganzen Artikel...



Ausführlicher Ratgeber zur Aufnahme eines Pflegekindes, Teil 3 Ausführlicher Ratgeber zur Aufnahme eines Pflegekindes, Teil 3   Nicht alle Kinder finden bei ihrer leiblichen Familie das Zuhause, das sie brauchen. Dann springen Pflegeeltern ein, die die Kinder vorübergehend oder dauerhaft bei sich aufnehmen und für sie sorgen. Allerdings stellen sich rund um eine Pflegschaft oft viele Fragen. Deshalb haben wir einen ausführlichen Ratgeber zur Aufnahme eines Pflegekindes erstellt, in dem wir die wichtigsten Punkte klären. Hier ist der letzte Teil 3!   Werden die Pflegeeltern zum Vormund des Kindes?  Ganzen Artikel...

Translation

Themengebiete

Rituale im Familienalltag - Infos und Tipps, 2. Teil
Rituale im Familienalltag - Infos und Tipps, 2. Teil Bräuche, Traditionen und routinierte Abläufe vermitteln Sicherheit und he...
Rituale im Familienalltag - Infos und Tipps, 1. Teil
Rituale im Familienalltag - Infos und Tipps, 1. Teil Kinder profitieren sehr von Ritualen. Denn Routinen, Bräuche und Traditionen g...
Was ist ein Erbschein?
Was ist ein Erbschein? Für den Erben kann der Erbschein zu einem sehr wichtigen Dokument werden. Denn das amtliche Zeugnis weist ihn al...
Alleiniges Sorgerecht - Alles zu Rechten, Pflichten und Antrag
Alleiniges Sorgerecht - Alles zu Rechten, Pflichten und Antrag Der Traum von der glücklichen Familie geht leider nicht immer in Erf&uum...
Beliebte und sehr teure Katzenrassen
Einige beliebte, aber sehr teure Katzenrassen in der Übersicht In der Liste mit den beliebtesten und am häufigsten gehaltenen Haus...
Stammbaum Blog
Der Stammbaum Blog Zeugnisse der Zeitgeschichte bei der Ahnenforschung und der geologischen Wissenschaft. Meldungen und Nachrichten im Stamm...

themesclub.com cms Joomla template
Copyright © 2026 Stammbaum Vorlagen - Familie, Tipps und Ratgeber  -  All Rights Reserved.
design by themesclub.com
themesclub logo
Autoren & Betreiber Artdefects Media Verlag