You are at: Der Stammbaum arrow Stammbaum Blog arrow Was ist ein Erbschein?
Was ist ein Erbschein? E-mail

Was ist ein Erbschein? 

Für den Erben kann der Erbschein zu einem sehr wichtigen Dokument werden. Denn das amtliche Zeugnis weist ihn als rechtmäßigen Erben aus und ermöglicht ihm damit, über den Nachlass zu verfügen. Doch auch für Familienforscher kann der Erbschein wertvolle Informationen bereithalten.

 

 

Wenn ein Angehöriger stirbt, ist die Situation für die Angehörigen oft sehr schwierig. Denn es gilt nicht nur, den Abschiedsschmerz zu bewältigen. Stattdessen müssen neben der Trauer verschiedene Formalitäten erledigt werden. Und hierzu kann gehören, einen Erbschein zu beantragen.  

 

Was ist ein Erbschein?

Ein Erbschein ist ein amtliches Zeugnis in Form einer öffentlichen Urkunde. Seine Funktion besteht darin, einen Erben im Rechtsverkehr als rechtmäßigen Nachfolger des Verstorbenen zu legitimieren. Der Erbschein legt somit verbindlich fest, wer der Erbe ist.

Für den Erben ist der Erbschein dadurch eine Art Ausweisdokument, durch das der gegenüber Dritter nachweisen kann, dass er über den Nachlass verfügen darf. Gleichzeitig wird im Erbschein vermerkt, ob der Erbe bestimmten Verfügungsbeschränkungen unterliegt. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn eine Vor- oder Nacherbfolge oder die Testamentsvollstreckung angeordnet wurde.   

 

Wer braucht einen Erbschein?

Nach dem Tod eines Verstorbenen müssen meist Bankkonten aufgelöst, Verhandlungen mit Versicherungen geführt und mitunter Immobilien umgeschrieben werden. Um diese Erledigungen tätigen zu können, braucht der Erbe in vielen Fällen einen Erbschein. Denn nicht immer ist ein Testament vorhanden oder das vorhandene Testament reicht als Nachweis nicht aus. Hat der Verstorbene ein notarielles Testament oder einen notariell beurkundeten Erbvertrag hinterlassen, braucht der Erbe keinen Erbschein.

Stattdessen reicht es aus, wenn er eine beglaubigte Kopie des notariellen Testaments oder Erbvertrags und das gerichtliche Eröffnungsprotokoll vorlegt. Gibt es aber keine letztwillige Verfügung, die von einem Notar beurkundet wurde, oder erbt der Erbe aufgrund der gesetzlichen Erbfolge, muss er meist einen Erbschein beantragen. Dies gilt vor allem dann, wenn Grundstücke, Häuser oder Eigentumswohnungen zum Nachlass gehören und der Erbe diese umschreiben lassen will.

Denn nach § 35 Abs. 1 der Grundbuchordnung muss der Erbe sein Erbrecht gegenüber dem Grundbuchamt durch einen Erbschein oder eben ein notarielles Testament samt Eröffnungsprotokoll nachweisen. Auch Banken und Versicherungen verlangen die Vorlage eines Erbscheins, wenn es kein notarielles Testament gibt und Zweifel an der Erbberechtigung bestehen.

Ist der Erbe der Bank bekannt und ist der Erbfolgefall klar, muss die Bank aber sogar ein privates Testament als Nachweis akzeptieren. Die Vorlage eines Erbscheins darf sie dann nicht fordern. So hat es der Bundesgerichtshof kürzlich entschieden (BGH, Az. XI ZR 440/15, Urteil vom 5. April 2016). Anstelle eines Testaments in Verbindung mit dem Eröffnungsbeschluss genügt es außerdem, wenn der Erbe eine wirksame Kontovollmacht vorlegen kann, die über den Tod hinaus gültig ist oder erst mit dem Tod wirksam wird.

Der Eintrag des Erben in den Vertrag als Begünstigter im Todesfall reicht ebenfalls aus. Hat der Verstorbene solche Vorkehrungen getroffen, braucht der Erbe keinen zusätzlichen Erbschein mehr, um die Bank- und Versicherungsgeschäfte abzuwickeln.   

 

Wo und wie wird ein Erbschein beantragt?

Um einen Erbschein zu beantragen, kann sich der Erbe entweder an einen Notar oder direkt an das Nachlassgericht wenden. Das Nachlassgericht gehört zum Amtsgericht und für den Erbschein ist das Amtsgericht zuständig, in dessen Zuständigkeitsbereich der Verstorbene zuletzt gewohnt hat. Gibt es nur einen Erben, wird der Erbschein als Alleinerbschein erteilt.

Bilden mehrere Erben eine Erbengemeinschaft, wird der Erbschein als ein gemeinschaftlicher Erbschein für alle Miterben oder als Teilerbschein für jeden Miterben einzeln angefertigt. Um den Antrag auf einen Erbschein zu stellen, braucht der Erbe folgende Unterlagen:

·         seinen Personalausweis oder Reisepass

·         die Sterbeurkunde des Erblassers

·         das Familienstammbuch oder eine Urkunde wie beispielsweise die Heiratsurkunde, um das Verwandtschaftsverhältnis zu belegen

·         die Namen und Adressen von Miterben

·         die Namen und Adressen von (lebenden oder verstorbenen) Verwandten des Erblassers, auch wenn sie nichts erben

·         das Testament oder den Erbvertrag, sofern vorhanden

·         Angaben dazu, ob ein Rechtsstreit über das Erbrecht geführt wird Verschweigt der Erbe ein vorhandenes Testament oder macht er absichtlich falsche Angaben, macht er sich strafbar.

Taucht im Nachhinein noch ein neueres Testament auf, das eine andere Person zum Alleinerben bestimmt, oder stellt sich heraus, dass der Erbschein auf falschen Inhalten beruht, ist der Erbschein nichtig und wird vom Gericht eingezogen.  

 

Müssen bei der Beantragung des Erbscheins Fristen eingehalten werden?

Erbt der Erbe aufgrund der gesetzlichen Erbfolge oder legt er ein Testament vor, das eindeutig und unstrittig ist, stellt das Nachlassgericht den Erbschein meist recht zeitnah aus. Voraussetzung ist aber, dass der Antrag vollständig ist, also keine relevanten Unterlagen oder Nachweise fehlen. Muss das Gericht umfangreichere Untersuchungen anstellen, kann es etwas dauern, bis der Erbschein erteilt wird. Bestimmte Fristen muss der Erbe beim Erbschein nicht einhalten.

Ratsam ist aber, nicht zu lange zu warten. Denn je schneller der Erbe den Erbschein beantragt, desto schneller kann er sich beispielsweise Bank- und Versicherungsguthaben auszahlen lassen. Wichtig wird eine Frist aber dann, wenn der Erbe das Erbe nicht antreten will. Um ein Erbe auszuschlagen, hat der Erbe nämlich nur sechs Wochen lang Zeit. Innerhalb von sechs Wochen ab dem Zeitpunkt, an dem der Erbe vom Nachlass erfahren hat, muss er also eine entsprechende Erklärung abgeben, wenn er das Erbe nicht annehmen möchte.

Nach Ablauf der Ausschlagungsfrist geht das Erbe automatisch auf ihn über. Andersherum muss der Erbe die sechs Wochen aber natürlich nicht abwarten, sondern kann das Erbe sofort annehmen und direkt den Erbschein beantragen. 

 

Welche Gebühren fallen für den Erbschein an?

Die Erteilung eines Erbscheins ist kostenpflichtig. Berechnet werden die Gebühren nach der Gebührentabelle des Gerichts- und Notarkostengesetzes. Maßgeblich dabei ist der Wert des Nachlasses. Für den Erbschein werden dann zwei Gebühren erhoben, nämlich

1.       die Gebühren für die eigentliche Erteilung des Erbscheins und

2.       die Gebühren für die Abnahme einer eidesstattlichen Versicherung, durch die der Erbe seine Angaben bestätigt.

In beiden Fällen wird, abhängig vom Wert des Nachlasses, die entsprechende Gebühr aus Tabelle B in Rechnung gestellt. Der Erbe bezahlt also letztlich den doppelten Betrag aus Tabelle B. Bei einem Nachlass mit einem Wert von beispielsweise 50.000 Euro fallen für den Erbschein somit 330 Euro (2x 165 Euro) an.

Mehr Tipps, Ratgeber, Anleitungen und Dokumentationen:
  • 5 Basistipps zur Ahnenforschung
  • Die Rolle der Väter im Laufe der Zeit
  • Was ist ein Erbenermittler?
  • Die wichtigsten Infos zur Veröffentlichung von Kinderfotos
  • Was ist eine Leihoma?
  • Was ist ein Friedwald?
  • Thema: Was ist ein Erbschein?

     
    < Prev   Next >

    Teilen

    Bookmark and Share

    mehr Artikel

    Vererbung von Blutgruppen und Rhesusfaktor Infos und Übersicht über die Vererbung von Blutgruppen und des Rhesusfaktors Die Eigenschaften der roten Blutkörperchen bestimmen das jeweils einzigartige Blutgruppenmuster eines Menschen. Eine sehr große Rolle spielen die Blutgruppen und deren Muster beispielsweise bei Bluttransfusionen, denn die wichtigsten Merkmale des Spender- und des Empfängerblutes müssen übereinstimmen. Ist dies nicht der Fall, könnte es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen, die als Blutverklumpung bezeichnet werden. Blutverklumpung bedeutet, dass der Körper eine Abwehrreaktion gegen Spenderblut einer anderen Blutgruppe zeigt.   Ganzen Artikel...

    Die wichtigsten Fragen vor der Anschaffung eines Haustiers Die wichtigsten Fragen vor der Anschaffung eines Haustiers Ein Haustier ist ein Lebewesen, das einen respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang verdient. Bevor ein vierbeiniger oder gefiederter Mitbewohner angeschafft wird, sollten deshalb einige grundlegende Punkte geklärt sein.     Ganzen Artikel...

    Regeln zur Forschung im Archiv Infos und Regeln zur Forschung im Archiv Im Zuge der Forschung nach Familienmitgliedern und Vorfahren gibt es viele Quellen, die wertvolle Informationen liefern können. In den meisten Fällen werden zunächst die familieneigenen Unterlagen und Fotoalben, die zuständigen Ämter und Behörden sowie das Internet zu Forschungszwecken genutzt. Eine weitere Möglichkeit besteht dann darin, die jeweiligen Archive aufzusuchen und die dort vorhandenen Materialien zu durchforsten.   Ganzen Artikel...

    Personen- und Zivilstandregister Was sind Personenregister und Zivilstandregister? Die Suche nach den eigenen Wurzeln beginnt üblicherweise mit dem Sammeln und Auswerten unterschiedlicher Informationen, die bei bekannten Familienmitgliedern und anderen Personen erfragt oder mittels verschiedener Dokumente und Aufzeichnungen in Erfahrung gebracht werden. Zwei Auskunftsquellen, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden, sind das Personen- und das Zivilstandsregister. Nun stellen sich jedoch die Fragen, was sich dahinter verbirgt und welche Ankünfte dort auf welche Weise angefordert werden können.   Ganzen Artikel...



    Beliebte und sehr teure Katzenrassen Einige beliebte, aber sehr teure Katzenrassen in der Übersicht In der Liste mit den beliebtesten und am häufigsten gehaltenen Haustieren in Deutschland belegen Katzen den ersten Platz. Dabei ist die Auswahl riesig und von der ruhigen, sensiblen, zierlichen oder verschmusten Wohnungskatze bis hin zum robusten, aufgeweckten oder eigenwilligen Freigänger lässt sich für jeden Geschmack etwas finden. Zu den vergleichsweise pflegeleichten Katzenrassen gehört die Europäisch Kurzhaar. Sie ist nicht zu groß und nicht zu klein, nicht zu dick und nicht zu dünn, fühlt sich drinnen und draußen wohl und ist in unzähligen Farben erhältlich.    Ganzen Artikel...

    Translation

    Themengebiete

    7 Behördengänge bei Nachwuchs
    7 Behördengänge bei Nachwuchs Wenn ein Baby zur Welt kommt, ist die Freude riesengroß. Doch das Leben wird nicht nur geh&oum...
    Genealogische Zeichen und Symbole
    Die wichtigsten genealogischen Zeichen und Symbole Mit einem genealogischen Zeichen oder Symbol ist ein Bild gemeint, das in Form eines Buch...
    Hilfreiche Mittel um das Wetter vorherzusagen
    Einige der hilfreichsten Mittel, um das Wetter vorherzusagen Das Wetter ist nicht nur ein beliebtes Thema für einen unverfänglich...
    Infos und Fakten zu den Blutgruppen
    Die wichtigsten Infos und Fakten zu den Blutgruppen (und den verschiedenen Blutgruppensystemen) Die meisten haben sicherlich schon von dem B...
    Kauf von Stammbaum-Software
    Tipps zum Kauf von Stammbaum-Software Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, einen Stammbaum selbst zu erstellen. Die erste M&o...
    Typische menschliche Denkweisen und Denkfehler
    Einige typische menschliche Denkweisen und Denkfehler, die teils noch aus der Steinzeit stammen Von Beginn an und über viele Jahrtause...

    Datenschutz - Cookies

    Diese Webseite benutzt Cookies. Einwilligen? Akzeptieren & Infos

    Suche

    PDF-Download

    Stammbäume PDF

    Kommentare

    Vererbung von Blutgr...
    Stammbaum Perser
    Vorteile und Grenzen...
    Vererbung von Blutgr...
    Stammbaum Perser

    themesclub.com cms Joomla template
    Copyright © 2018 Der Stammbaum  -  All Rights Reserved.
    design by themesclub.com
    themesclub logo