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Was ist ein Friedwald? 

Große, hohe Bäume mit dickem Stamm und imposantem Geäst, jahreszeitlich gefärbte, sanft rauschende Blätter, der typische Duft nach Laub und Pilzen, Vogelgezwitscher und herumhuschende Eichhörnchen: der Wald ist für viele der Inbegriff von Natur. Schon zu Lebzeiten gehen viele gerne im Wald spazieren.

 

 

Dort suchen sie Ruhe und Erholung, den Wald mit seinen einheimischen Bäumen und Gewächsen empfinden sie als ein Stück Heimat. Statt nach dem Ableben auf einem traditionellen Friedhof, auf dem sich ein Grabstein neben den anderen reiht, beigesetzt zu werden, wünschen sich immer mehr Menschen eine naturnahe Bestattung. Der Ort hierfür ist ein Wald, der sich Friedwald, Ruheforst oder Bestattungswald nennt.

 

Doch was verbirgt sich dahinter genau?:

 

Was ist ein Friedwald?

In Deutschland gibt es den sogenannten Friedhofszwang. Das bedeutet, dass ein Verstorbener nicht einfach irgendwo beigesetzt werden kann. Stattdessen muss die Beisetzung an einem Ort erfolgen, der nach öffentlichem Recht als Friedhof ausgewiesen ist. Neben traditionellen Friedhöfen gibt es seit einigen Jahren die sogenannten Friedwälder oder Ruheforste.

Hierbei handelt es sich um Waldflächen, die für Bestattungen in der Natur zugelassen sind. Die Idee geht auf den Schweizer Ingenieur Ueli Sauter zurück. In seinen Augen kehrt der Mensch dadurch, dass ein Baum die Nährstoffe aus seiner Asche aufnimmt, in den natürlichen Kreislauf zurück. Gleichzeitig soll der Wald als natürlich gewachsene Fläche in seiner eigentlichen Form erhalten bleiben, auf den ersten Blick also nicht gleich als Begräbnisstätte zu erkennen sein.

Sein Konzept von Beisetzungen in ausgewiesenen Waldflächen ließ sich Ueli Sauter Anfang der 1990er-Jahre unter dem Namen Friedwald markenrechtlich schützen. 1999 genehmigte Sauter die Nutzung des Markenrechts auch in Deutschland. Seit der Jahrtausendwende gibt es deshalb in Deutschland immer mehr Wälder, die für Beisetzungen genutzt werden.

Hierzulande wird statt Friedwald aber auch von einem Ruheforst, einem Bestattungswald oder einem Urnenwald gesprochen.    

 

Wer kümmert sich um den Friedwald?

Bei einem Bestattungswald arbeiten drei Stellen zusammen, nämlich die Kommune, das Forstamt und der Betreiber. Die Kommune ist der öffentliche Träger und stellt sicher, dass der Bestattungswald ordnungsgemäß betrieben wird.

Oft ist die Kommune auch der Besitzer der Waldfläche. Das Forstamt betreut den Friedwald, führt notwendige Arbeiten durch und steht Interessierten als kompetenter Ansprechpartner in Sachen Wald zur Verfügung. Der Friedwaldbetreiber kümmert sich um die Verwaltung und die organisatorischen Abläufe. Damit eine Waldfläche als Friedwald genutzt werden kann, muss sie ausdrücklich als Friedhofsgelände ausgewiesen sein.

Gleichzeitig wird die Fläche durch eine eingetragene Grunddienstbarkeit gesichert. Dadurch ist gewährleistet, dass der Friedwald ein Friedhof nach den gesetzlichen Regelungen ist und bleibt, selbst wenn beispielsweise der Betreiber insolvent oder die Waldfläche verkauft werden sollte.   

 

Wie wird der Verstorbene in einem Friedwald beigesetzt?

In einem Friedwald wird der Verstorbene direkt an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Voraussetzung hierfür ist, dass sich der Verstorbene bereits zu Lebzeiten oder seine Angehörigen im Trauerfall für eine Einäscherung entscheiden. Eine Bestattung im Sarg ist nicht möglich, denn dies würde zu sehr in den natürlichen Raum eingreifen und könnte das Wurzelwerk der Bäume beschädigen.

Stattdessen wird die Asche des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt. Die Urne besteht meist aus einem Biopolymer, das ist ein Gemisch aus Holzpartikeln und Naturleim. Nach einigen Jahren zersetzt sich die Urne und wird so zusammen mit der Asche zu einem Teil des Waldbodens. Um zu gewährleisten, dass dieser Abbauprozess ungestört ablaufen kann, wird die Urne (je nach Ruheforst) etwa einen Meter tief vergraben.

Dadurch ist auch sichergestellt, dass Waldtiere die Begräbnisstätte nicht wieder freilegen. Die Trauerfeier selbst kann so erfolgen, wie es der Verstorbene oder seine Angehörigen festgelegt haben. Eine sehr ruhige Beisetzung im engsten Familienkreis und ohne geistlichen Beistand ist also genauso möglich wie eine Trauerfeier nach klassischem Vorbild. Generell kennzeichnet sich das Konzept des Friedwalds durch eine neutrale Weltanschauung.

Die Religion, Kultur oder gesellschaftliche Schicht des Verstorbenen spielt letztlich keine Rolle. Im Vordergrund steht vielmehr der Wunsch, dem Kreislauf der Natur zu folgen.  

 

Erfolgt die Bestattung in einem Friedwald anonym?

Im Friedwald ist die Verbundenheit mit der Natur das zentrale Thema. Der Wald soll ein Ort der Ruhe und der Stille sein und die natürliche Schönheit des Waldes soll erhalten bleiben. Aus diesem Grund ist auch die Natur diejenige, die die Grabpflege übernimmt. Blumen und Kränze, Grabschmuck oder Grablichter sind nicht erwüscht. Stattdessen zieren je nach Jahrzeit Wildblumen, Farne, Moose, buntes Laub oder Schnee- und Eiskristalle das Baumgrab.

Dennoch ist der Friedwald ein Ort, an dem Angehörige um ihren Verstorbenen trauern und ihm gedenken können. So weist am Eingang eine Informationstafel darauf hin, dass es sich bei der Waldfläche um einen Ruheforst handelt. An den Bäumen selbst verraten kleine Schildchen, wer hier seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Dabei kann auf einem solchen Täfelchen der Name oder lediglich eine Nummer stehen, je nachdem, wie es der Verstorbene oder seine Angehörigen gewünscht haben. Möglich ist aber natürlich auch, komplett auf ein Schildchen zu verzichten.

Durch den Lageplan und das akribisch geführte Baumregister, in dem jedem Baum eine Nummer zugeordnet ist, können Angehörige und Nachkommen ihren Vorfahren jedoch selbst bei einer anonymen Beisetzung wiederfinden.  

 

Welche Arten von Gräbern gibt es in einem Friedwald?

Um einen Baum herum können bis zu zehn, bei sehr großen Bäumen auch zwölf Personen ihre letzte Ruhestätte finden. Dabei ist es möglich, sich schon zu Lebzeiten einen Baum auszusuchen. Ist der Trauerfall eingetreten, können die Angehörigen einen Baum auswählen oder sich einen Baum zuweisen lassen. Möchten Partner, Freunde oder die Familie auch über den Tod hinaus zusammenbleiben, besteht die Möglichkeit, sich mehrere Plätze um einen Baum herum oder gleich einen ganzen Baum zu reservieren.

In diesem Fall wird dann von einem Partner-, einem Freundschafts- oder einem Familienbaum gesprochen. Außerdem gibt es auch im Friedwald bestimmte Bäume, an denen Kinder ihre Ruhestätte finden.  Wie lange ein Baumgrab erhalten bleibt, ergibt sich aus der jeweiligen Friedhofssatzung.

Bei einem normalen Baumgrab beträgt die Liegezeit meist zwischen 15 und 30 Jahren. Grundsätzlich ist aber möglich, die Liegezeit zu verlängern. Die maximale Dauer beläuft sich dann auf 99 Jahre, denn so lange läuft ein Vertrag, der eine Waldfläche als Friedhof ausweist.  

 

Wie teuer ist eine Bestattung in einem Friedwald?

Welche Kosten bei einer Bestattung im Friedwald anfallen, lässt sich nicht so einfach beziffern. Dies liegt daran, dass die Kosten von Betreiber zu Betreiber variieren. Zudem kommt es immer auch auf die Art des Baumgrabes und auf die Trauerfeier an. Grundsätzlich kommen bei einer Friedwaldbeisetzung zwei Kostenarten zusammen. Der erste Faktor sind die Kosten für das Baumgrab.

Hier werden für ein Einzelbaumgrab mit der Standardliegezeit um die 500 Euro aufgerufen. Fällt die Entscheidung hingegen auf einen Partner- oder Familienbaum, können auch mehrere tausend Euro fällig werden. Der zweite Faktor sind die Kosten für die eigentliche Beisetzung. Sie belaufen sich auf etwa 300 Euro. Im Internet gibt es sehr viele Informationen über die Standorte, die Betreiber und die jeweiligen Kostenstrukturen von Ruheforsten.

Übrigens ist die Wahl nicht ortsgebunden. Wer sich für eine Ruhestätte in einem Friedwald interessiert, muss also keinen Ruheforst in der Nähe seines Wohnorts suchen, sondern kann sich bundesweit umschauen. Zu den Kosten für die Friedwaldbestattung kommen dann noch die Kosten dazu, die für die Behördengänge, die Einäscherung, die Trauerfeier und die weiteren Leistungen des Bestatters anfallen. Dafür fallen die Folgekosten für beispielsweise den Grabstein und die Grabpflege weg.

 

Mehr Anleitungen, Tipps, Dokumentationen und Vorlagen:

  • Was ist eine "Familienaufstellung"?, 2. Teil
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  • Familie - damals und heute
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