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Traditionelle religiöse Bräuche an Ostern E-mail

Traditionelle religiöse Bräuche an Ostern 

Ostern ist das wichtigste Fest im christlichen Kalender. Alle Christen, gleich welcher Glaubensrichtung sie angehören, feiern an Ostern die Auferstehung Jesu nach seiner Kreuzigung und damit die Auferstehung von den Toten. Diese Auferstehung von den Toten bildet die Grundlage für den christlichen Glauben.

 

 

Dabei gibt es rund um Ostern verschiedene Bräuche und Traditionen. Einige davon werden auch heute noch gepflegt, andere sind inzwischen in Vergessenheit geraten.  

 

Die Feierlichkeiten in der Karwoche

Die Woche vor Ostern ist die sogenannte Karwoche. Sie beginnt am Palmsonntag und dauert bis zum Karsamstag an, um dann in das eigentliche Osterfest überzugehen. Der Wortbestandteil Kar bedeutet übersetzt soviel wie Wehklage oder Trauer. Im Mittelpunkt der religiösen Feierlichkeiten und Bräuche steht somit der Leidensweg Jesu.

Die Karwoche wird vom Palmsonntag eingeleitet. An diesem Tag erinnern die Christen daran, wie Jesus nach Jerusalem kam. Die Evangelien von Matthäus und Johannes berichten darüber, wie Jesus auf einem Esel reitend in Jerusalem ankommt und dort von den Menschen mit Palmenzweigen willkommen geheißen wird. Diese Szene wurde lange Zeit nachgespielt. So führten Geistliche am Palmsonntag die Prozessionen durch die Städte auf Eseln reitend und mit Palmenzweigen geschmückt an.

Später ersetzte eine Holzskulptur den lebendigen Esel. Ab dem 16. Jahrhundert verkam der Brauch dann zunehmend zu einer Attraktion, mit der sich die Kirchenleute ein kleines Zubrot verdienten. So ließen sie Kinder beispielsweise auf dem Holzesel reiten oder nutzen die Figur als Träger von Süßigkeiten. Heute taucht der Esel bestenfalls noch in kleinen, ländlichen Gemeinden in den Feierlichkeiten auf.

Dafür gehören die Palmzweige nach wie vor zur Tradition. Allerdings handelt es sich bei den Palmzweigen in unseren Breitengraden um Gebinde aus Weidenkätzchen, Koniferen, Buchsbaum- und Haselnusszweigen. Der nächste Höhepunkt in der Karwoche ist der Gründonnerstag. Am Gründonnerstag wird dem letzten Abendmahl gedacht. Jesus verbrachte das letzte Abendmahl zusammen mit seinen Jüngern. Er segnete den Wein und brach mit ihnen das Brot.

Dadurch wurde das Abendmahl zum zentralen Element der christlichen Eucharistiefeier. Außerdem wusch er den Jüngern die Füße. Beides wird bis heute nachempfunden. Während des Gottesdienstes wird Wein gesegnet und Brot in Form von Hostien geteilt. Auch die rituelle Fußwaschung, bei der der Geistliche zwölf Mitgliedern der Gemeinde die Füße wäscht, gehört zu den rituellen Gesten.

Ist der Gottesdienst beendet, schweigen die Kirchenglocken. Der Volksmund sagt, dass die Glocken nach Rom fliegen und dort gesegnet werden. Anstelle der Glocken sind an den Gottesdiensten in den folgenden Tagen hölzerne Ratschen oder kleine Schellen zu hören. Die Glocken erklingen erst wieder in der Osternacht, pünktlich zum Gloria während der Ostermette.

Der Karfreitag ist der Tag, an dem an die Kreuzigung Jesu erinnert wird. Während die katholischen Christen diesen Tag eher ruhig begehen und ein Gottesdienstbesuch nicht unbedingt zum Programm gehört, findet in der evangelischen Kirche an diesem Tag ein sehr festlicher Gottesdienst statt. Der Grund für die unterschiedlichen Feierlichkeiten liegt in der wahrgenommenen Bedeutung für die Heilsgeschichte. So sehen die Protestanten den Weg zur Erlösung in Jesu Tod am Kreuze, die Katholiken hingegen in Jesu Auferstehung von den Toten.  

 

Die Heilige Woche in Südeuropa

Anders als in Mittel- und Nordeuropa, wo die Trauer, die Besinnung, das Gedenken und der Verzicht die religiösen Feierlichkeiten bestimmen und wo es insgesamt eher andächtig und ruhig zugeht, wird die Woche vor Ostern in Südeuropa sehr viel lauter, leidenschaftlicher und pompöser zelebriert. Während der Semana Santa, der heiligen Woche, finden vielerorts Passionsspiele und Prozessionen statt.

Auch Umzüge, bei denen christliche Bruderschaften in Kutten mit Kapuzen durch die Straßen ziehen, sind ein fester Bestandteil der österlichen Tradition. Bis ins 18. Jahrhundert hinein waren in Süddeutschland Karfreitagsprozessionen mit Männern in Kapuzenkostümen ebenfalls üblich. Mit der Aufklärung verloren die christlichen Bruderschaften aber an Bedeutung und damit fanden auch die Umzüge ein Ende.  

 

Traditionelle religiöse Bräuche an Ostern

Die wichtigsten Feierlichkeiten unmittelbar vor und an Ostern sind die Festgottesdienste. Daneben gibt es aber noch andere religiöse Bräuche. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte Osterritt. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst und einer Umrundung der Kirche ziehen Prozessionen mit jeweils 100 Reitern von Ort zu Ort, um zu verkündigen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Auf ihrem Weg singen die Reiter Kirchenlieder und sprechen Gebete.

Ein anderes Beispiel ist das Ostergelächter. Der Pfarrer oder Priester fügte in seine Osterpredigt Witze, lustige Anekdoten und humorvolle Kommentare ein, damit die Gemeinde lachte. Durch dieses Lachen sollte die Gemeinde zum einen den Übergang von der Fastenzeit und der Trauer zur Erlösung und zur österlichen Freude selbst erleben. Zum anderen sollte das Lachen ein Sinnbild dafür sein, dass der Teufel besiegt worden war und nun ausgelacht wurde.

Nachdem die humoristischen Einlagen aber Ausmaße angenommen hatten, die in einer Kirche nicht mehr angemessenen schienen, wurde das Ostergelächter verboten und im 18. Jahrhundert aus den Gottesdiensten gestrichen. Heute lebt dieser religiöse Brauch in einigen Gemeinden wieder auf.

Mehr Dokumentationen, Berichte und Anleitungen:
  • Die schwäbisch-alemannische Fasnet
  • Tradition über Generationen: Studentenverbindungen
  • Winterliche Brauchtumstage in der Übersicht
  • Die bekanntesten Hominiden, Teil III
  • Die bekanntesten Hominiden Teil II
  • Die bekanntesten Hominiden Teil I
  • Irrtümer in der Geschichte der Menschheit
  • Thema: Traditionelle religiöse Bräuche an Ostern

     
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