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Was ist eine "Familienaufstellung"? (1. Teil) 

Wenn der Begriff “Familienaufstellung” fällt, löst dies höchst unterschiedliche Reaktionen aus. So geraten die einen ins Schwärmen und erzählen begeistert von den unglaublichen Erfolgen, die durch diese Methode innerhalb kürzester Zeit erzielt werden konnten.

Die anderen hingegen winken sofort ab oder kommentieren die Methode mit Wörtern wie Quatsch, Humbug oder gar Scharlatanerie.

 

 

Es gibt kaum einen anderen therapeutischen Ansatz, der so heftig diskutiert wird und so umstritten ist wie die Familienaufstellung. Aber: Was ist eine “Familienaufstellung”?

Worauf zielt sie ab? Und wie wirksam ist sie?

 

Der folgende Beitrag beantwortet in zwei Teilen diese und weitere Fragen rund im die Familienaufstellung:  

 

Worauf basiert der Ansatz zur Familienaufstellung?

Die Familienaufstellung ist eine Methode aus dem Bereich der systemischen Psychotherapie. Die Grundlage für diese Methode bildet die sogenannte Familienskulptur, die in den 1970er-Jahren entwickelt wurde. Beide Methoden zielen darauf ab, die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern oder Angehörigen einer Gruppe bildlich darzustellen. Dadurch sollen die Gefühle und Wahrnehmungen, die die familiären Beziehungen auslösen, ins Bewusstsein gelangen.

Neben positiven Emotionen kommen dabei häufig auch ungünstige Beziehungskonstellationen oder versteckte Konflikte ans Licht. Die Emotionen, die die Auseinandersetzung mit den familiären Beziehungen hervorruft, können durch die aktuelle Situation oder durch Erlebnisse in der Vergangenheit beeinflusst sein. Die systemische Therapie legt grundsätzlich die Annahme zugrunde, dass die Beziehungen, die Regeln und die Verhaltensmuster innerhalb der Familie das Verhalten und die Gefühlswelt einer Person prägen. Dabei wirken diese Einflüsse oft über mehrere Generationen hinweg.

Die Familienskulptur und auch die Familienaufstellung verfolgen nun die Absicht, dem Betroffenen genau diese Zusammenhänge zu verdeutlichen, um ihm so zu helfen, schwierige Verhaltensweisen und ungünstige Beziehungsmuster zu erkennen und daran zu arbeiten.   

Eine Familienskulptur wird meist im Rahmen einer Psychotherapie erstellt und vielfach sind die Familienmitglieder des Patienten daran beteiligt. Dabei verteilt der Patient seine Familienmitglieder so im Raum, dass sie seinem intuitiven Empfinden nach in den richtigen Beziehungen zueinander stehen. Der Patient baut also mithilfe seiner Angehörigen eine Art Skulptur, die seine Familie darstellt. Im nächsten Schritt kommunizieren der Patient und seine Familienmitglieder, wie sie sich in ihrer aktuellen Position fühlen. Sie berichten über ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihr Empfinden und die Handlungen, die sie jetzt gerne vornehmen würden.

Dadurch werden Beziehungsmuster und auch Konflikte sichtbar, die im weiteren Verlauf der Therapie bearbeitet werden können. Ist es nicht möglich, die Familienskulptur mit Familienmitgliedern zu erstellen, können auch Symbole wie Puppen oder Tierfiguren als Ersatz zum Einsatz kommen. 

 

Was ist eine Familienaufstellung?

Eine Familienaufstellung funktioniert im Prinzip ähnlich wie eine Familienskulptur. Der große Unterschied besteht aber darin, dass die Familienmitglieder des Patienten nicht mitwirken. Stattdessen besteht die Gruppe aus fremden, zufällig und willkürlich zusammen gewürfelten Personen. Der Patient schlüpft in die Rolle des Aufstellers. Der Therapeut erfragt kurz die Vorgeschichte und lässt sich die Personen nennen, die jetzt und in der Vergangenheit für die Problematik relevant sind.

Danach sucht sich der Patient Personen aus der Gruppe aus, die die genannten Personen darstellen sollen. Diese Personen stellt er in den seiner Meinung nach richtigen Positionen zueinander auf und weist ihnen auch die Körperhaltungen zu. Der Patient als Aufsteller legt also fest, ob die Personen beispielsweise aufrecht stehen, sich bücken oder zusammengekauert auf dem Boden hocken sollen und ob sich die Personen anschauen, seitlich zueinander stehen oder sich voneinander abwenden sollen. Außerdem bestimmt der Aufsteller die Abstände zwischen den Personen.

Wie bei einer Familienskulptur berichten auch bei einer Familienaufstellung der Patient und die beteiligten Personen, wie es ihnen in der zugewiesenen Position und Körperhaltung geht. Überraschenderweise werden dabei mitunter Beziehungsmuster sichtbar, die den echten Beziehungen zwischen den realen Familienmitgliedern teilweise recht nahe kommen.  

 

Was ist eine “Klassische Familienaufstellung”?

Die Familienaufstellung als Methode erlangte vor allem durch die Idee der “Klassischen Familienaufstellung” nach Bert Hellinger Bekanntheit. Hellinger arbeitete zunächst als katholischer Priester und Leiter einer Missionsschule in Südafrika, bis er sich der Familientherapie zuwandte. Ausgehend von klassischen Methoden der systemischen Psycho- und Familientherapie, entwickelte er seinen Ansatz der Familienaufstellung. Dabei bezeichnet Hellinger seine Form der Familienaufstellung aber nicht als Therapie oder eigenständiges Therapieverfahren.

Stattdessen spricht er von einer “Lebenshilfemethode” im Rahmen der Gruppenarbeit. Grundlage der Klassischen Familienaufstellung ist die Idee, dass alle Mitglieder einer Familie emotional miteinander verbunden sind. Kommt es zu Störungen dieser Verbindungen, kann dies der Auslöser von psychischen und körperlichen Erkrankungen sein, wobei ein oder mehrere Familienmitglieder daran erkranken können. Gleichzeitig geht der Ansatz von einer klaren, hierarchischen Ordnung innerhalb einer Familie aus. Demnach steht der Mann an erster Stelle.

An zweiter Stelle folgt die Frau und danach kommen die Kinder in der Reihenfolge, in der sie geboren sind. Wird ein Familienmitglied ausgeschlossen oder nicht so respektiert und geachtet, wie es seiner Stellung angemessen wäre, ist die natürliche Ordnung innerhalb der Familie gestört. Die Folge davon ist, dass die “Familienseele” als Strafe Krankheiten erleidet.

Nahe Angehörige, aber auch spätere Nachkommen könnten sich unbewusst mit dem Schicksal des verstoßenen Familienmitglieds identifizieren. Dies wiederum könnte bei ihnen psychische Erkrankungen oder körperliche Krankheiten wie beispielsweise Krebs auslösen. Die Klassische Familienaufstellung nach Hellinger verfolgt deshalb das Ziel, die natürliche Ordnung innerhalb der Familie wiederherzustellen und dadurch auch die Ursache für die Erkrankungen zu beseitigen. 

 

Wie läuft eine Klassische Familienaufstellung ab?

Eine Klassische Familienaufstellung nach dem Konzept von Bert Hellinger wird in aller Regel als Bühnenspektakel inszeniert. Der Betroffene kommt auf die Bühne und beantwortet zunächst Fragen zu dem Problem, das er bearbeiten möchte, und zu seinem familiären Hintergrund. Dabei zielen die Fragen vor allem darauf ab, verstoßene Familienmitglieder aufzuspüren.

Bei diesen Familienmitgliedern kann es sich beispielsweise um einen Expartner, die früh verstorbene Urgroßmutter, einen Bruder, zu dem der Kontakt abgerochen ist, oder ein Kind, das die Frau während der Schwangerschaft verloren hat, handeln. Der Therapeut zieht aus den Antworten des Betroffenen dann eine Schlussfolgerung, die eine Art Diagnose des Problems darstellt. Im nächsten Schritt werden Freiwillige aus dem Publikum ausgesucht und auf die Bühne geholt. Der Betroffene stellt die Personen als Stellvertreter für seine Familienmitglieder auf der Bühne auf.

Der Therapeut befragt die Personen anschließend nach ihren Empfindungen und Wahrnehmungen. Teilweise äußern die Personen dabei Gedanken oder Gefühle, die so wirken, als könnten sie tatsächlich von den echten Familienmitgliedern kommuniziert worden sein. Mitunter kommt es sogar zu regelrechten Gefühlsausbrüchen. Dieses Phänomen wird mit dem sogenannten “wissenden Feld” erklärt. Demnach bekommt jede Person durch ihre Position in der Aufstellung Zugang zu der Gefühls- und Gedankenwelt des Familienmitglieds, das sie vertritt.

Als nächstes stellt der Therapeut die Stellvertreter solange um, bis sie die Position gefunden haben, in der sie sich gut und richtig fühlen. Zum Schluss lässt der Therapeut den Betroffenen Heilsätze aufsagen. Diese Sätze sind in erster Linie an die Familienmitglieder adressiert, die als ausgeschlossene oder missachtete Familienmitglieder ausgemacht wurden. Durch die Ansprache dieser Familienmitglieder soll eine Versöhnung zwischen ihnen und dem Betroffenen stattfinden. 

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