You are at: Der Stammbaum arrow Stammbaum Blog arrow Typische menschliche Denkweisen und Denkfehler
Typische menschliche Denkweisen und Denkfehler E-mail

Einige typische menschliche Denkweisen und Denkfehler,

die teils noch aus der Steinzeit stammen  

Von Beginn an und über viele Jahrtausende lebte der Mensch als Jäger und Sammler und genau für diese Lebensweise und die damit zusammenhängenden Verhaltens- und Denkmuster ist das menschliche Gehirn auch optimiert. Zwischenzeitlich hat sich der Mensch aber eine Umgebung geschaffen, die das Gehirn bisweilen überfordert.

 

 

So geht es heute nicht mehr nur darum, Beute zu jagen und zu erlegen, um die Nahrung zu sichern, oder bestimmte Gegenstände einzusammeln, zu verarbeiten und herzustellen, um zu überleben. Stattdessen stehen heute in jedem Bereich unzählige Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, so dass der Mensch immer wieder neu entscheiden muss, welche der Möglichkeiten die für ihn beste Lösung ist.

Dies fängt beim Einkauf im Supermarkt an und endet bei der Auswahl von Job, Wohnung, Partner, Auto und Versicherungs- oder Finanzprodukten. Die Diskrepanz zwischen der selbst geschaffenen Realität und der Optimierung des Gehirns für ein Dasein als einfacher Sammler und Jäger kann systematische Denkfehler mit sehr nachteiligen Auswirkungen auf die getroffenen Entscheidungen zur Folge haben.

Viele Denkweisen und Verhaltensmuster sind allerdings so tief verankert, dass sie dem Menschen letztlich überhaupt nicht bewusst sind.

 

Einige Beispiele für typische menschliche Denkweisen und Denkfehler, die teils noch aus der Steinzeit stammen, zeigt die folgende Übersicht auf:  

 

„Nur Abwarten und Nichtstun bringt nichts, Aktion ist gefragt.“

In der Zeit, als die Menschen noch als Jäger und Sammler lebten, waren Aktion und eine schnelle Reaktion oft überlebenswichtig. Um sich vor Tieren, Feinden oder Unwettern zu schützen, blieb nicht lange Zeit, um zu überlegen, abzuwägen oder gar eine Strategie auszuarbeiten. Wer überleben wollte, musste schnell handeln.

Dieses Denkmuster ist nach wie vor verankert und bis heute sagen viele, dass nur derjenige Erfolg haben kann, der sich engagiert und die Dinge selbst in die Hand nimmt. Vor allem in unklaren und schwierigen Situationen wäre es aber besser, zunächst einmal abzuwarten, durchzuatmen, zur Ruhe zu kommen und sich zu besinnen, um dann zu entscheiden, ob und wenn ja welche Aktion richtig ist.

Vielen Menschen fällt genau dies allerdings sehr schwer, zumal noch ein weiteres Denkmuster hinzukommt. Selbst wenn sich die Entscheidung als falsch herausstellt, fühlen sich die meisten besser, wenn sie sich sagen können, dass sie zumindest alles versucht haben, statt nur untätig dagestanden und abgewartet zu haben, ob sich nicht doch noch alles zum Guten wendet. 

 

„Das habe ich doch gleich gewusst.“

Im Nachhinein scheinen alle Situation ganz klar zu sein. Ob es nun der neue Freund der Tochter ist, die befreundete Familie, die sich ein teures Eigenheim leistet, oder der Kumpel, der sich mit einer Geschäftsidee selbstständig macht:

Rückblickend haben alle von Anfang an gewusst, dass die Beziehung scheitern, sich die Familie mit dem Baudarlehen finanziell übernehmen und es ein Fehler sein würde, den sicheren Job für ein fragwürdiges Geschäftsmodell aufzugeben.

Nun stellt sich aber die Frage, weshalb im Nachhinein alle immer schon den Ausgang kannten und weshalb sie, anstatt daraus zu lernen, immer wieder die gleichen, mitunter falschen Entscheidungen treffen. Zunächst einmal sammeln Menschen Erfahrungen und lernen natürlich aus Entscheidungen. Diese Fähigkeit hat dem Menschen bislang auch sehr weitergeholfen und ihn in die Lage versetzt, bestimmte Vorhersagen zu treffen. So weiß der Mensch, dass ein Unwetter naht, wenn dunkle Wolken aufziehen und die Luft schwülwarm wird.

Genauso weiß er, dass Lebensmittel wie Milch oder Fleisch schlecht werden, wenn sie längere Zeit ohne Kühlung aufbewahrt werden. Komplexe Sachverhalte kann der Mensch jedoch nicht vorhersagen. Ein komplexer Sachverhalt liegt immer dann vor, wenn mehrere Faktoren Einfluss nehmen und verschiedene Bedingungen den Ausschlag geben können.

Der Mensch ist nicht in der Lage, alle möglichen Einflussfaktoren zu erfassen und gegeneinander abzuwägen. Vorhersagen kann er deshalb nur dann treffen, wenn es maximal drei unbekannte Faktoren gibt. Ansonsten bleibt ihm nur, die Situation im Nachhinein zu bewerten und daraus Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen.    

 

„Ich habe alles unter Kontrolle.“

Um sich sicher zu fühlen, benötigen viele Menschen das Gefühl, alles zumindest ein Stück weit beeinflussen und kontrollieren zu können. In den USA wurde dieses Denkmuster in einem Versuch auf recht beeindruckende Weise nachgewiesen. So wurden Probanden in zwei Gruppen eingeteilt und jede der Gruppen wurde in einen Raum eingeschlossen, in dem die Lautstärke konstant erhöht wurde. Während die erste Gruppe abwinken sollte, wenn sie den Lärm nicht mehr ertrug, wurde der zweiten Gruppe für diesen Zweck ein roter Knopf zu Verfügung gestellt.

Die zweite Gruppe ertrug deutlich mehr Lärm, obwohl der Knopf lediglich eine funktionslose Attrappe gewesen war. Allein das Gefühl, dass die Probanden ein Kontrollinstrument nutzen konnten, um die Situation schnell zu beenden, hatte aber schon ausgereicht, um die unangenehmen Umstände länger und besser zu ertragen.

In der Realität hat der Mensch natürlich nicht alles unter Kontrolle und selbst wenn er über selbstgeschaffene Kontrollinstrumente verfügt, nutzt er diese nicht immer aus. Trotzdem verleiht das Gefühl, Einfluss nehmen zu können, Sicherheit. Der Mensch sollte sich aber immer bewusst sein, dass er eben nicht alles kontrollieren kann, sondern es genauso Dinge gibt, die geschehen, ohne dass er etwas daran ändern könnte. 

 

„Was man hat, hat man.“

Dinge, die einem Menschen gehören, haben für diesen Menschen einen Wert. Der wahrgenommene Wert für Gegenstände, die sich im eigenen Besitz befinden, ist höher als der Wert für Dinge, die dem Menschen nicht gehören. Aus diesem Grund möchte der Mensch seine Gegenstände oder auch Leistungen nicht unter Wert verkaufen.

Dieses Phänomen wird Besitztumseffekt oder auch Endowment-Effekt genannt. Daniel Kahneman, ein israelisch-amerikanischer Psychologe hat dieses Phänomen 1991 in einem Versuch untersucht. So gab er den Probanden in der ersten Gruppe jeweils eine Tasse und bat sie, einen Preis anzugeben, zu dem sie ihre Tasse wieder verkaufen würden.

Die Probanden der zweiten Gruppe fragte er, wie viel sie bereit wären, für eine solche Tasse zu bezahlen. Während die erste Gruppe als Verkaufspreis durchschnittlich rund 7 US-Dollar angab, lag der Kaufpreis der zweiten Gruppe im Durchschnitt bei unter 3 US-Dollar. Dieses Denkmuster ist sinnvoll, weil es sicherstellt, dass sich der Mensch um das kümmert und das wertschätzt, was er besitzt.

Dies gilt übrigens nicht nur für Gegenstände, sondern auch für beispielsweise die Partnerschaft oder den Job. Gleichzeitig führt das Denkmuster aber auch dazu, dass der Mensch bereit ist, in etwas zu investieren, was er gerne haben möchte. Hier besteht allerdings die Gefahr, dass der Mensch über das Ziel hinausschießt und viel mehr bezahlt, als die Sache nüchtern betrachtet wert ist.   

 

„Was nur begrenzt zur Verfügung steht, ist interessanter.“

Geschickte Verkäufer greifen auf einen recht simplen Trick zurück, wenn sie einen potenziellen, aber noch unsicheren Käufer überzeugen möchten. So bringen sie einen oder mehrere weitere Interessenten ins Spiel. Der Käufer, der vom ernsthaften Interesse seiner Konkurrenten ausgeht, entscheidet sich für den Kauf, damit ihm kein anderer sein Wunschobjekt vor der Nase wegschnappt.

Aus einem ähnlichen Grund ist unter Sonderangeboten häufig der Hinweis „Nur solange der Vorrat reicht“ zu finden, denn auch dieser Hinweis weckt den Wettbewerbsgedanken. Gleichzeitig wird das, was begrenzt erscheint oder verlorenen gegangen ist, plötzlich deutlich interessanter und begehrenswerter. Verliert jemand beispielsweise seinen Job, über den er zuvor gerne mal geschimpft hatte, war der Job rückblickend doch nicht so schlecht.

Geht eine Beziehung auseinander, wird der Partner, der nun einen neuen Partner gefunden hat, plötzlich wieder zum Objekt der Begierde. Wissenschaftler haben dieses Phänomen in einem Experiment mit Keksen untersucht. Dabei wurden Testpersonen gebeten, den Geschmack der Kekse zu bewerten. Während die eine Gruppe dafür einen großen, vollen Teller mit Keksen erhielt, bekam die zweite Gruppe lediglich einen Teller, auf dem sich zwei Kekse befanden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die zweite Gruppe die Kekse deutlich schmackhafter und besser fand als die erste Gruppe. Im Alltag sollte der Mensch aber versuchen, nicht auf den Konkurrenzgedanken hereinzufallen, sondern sich für das zu entscheiden, was er für sich tatsächlich möchte und braucht.

 

Mehr Ratgeber und Tipps zur Familienforschung, Genealogie und Psychologie:

Fakten und Informationen zum Vaterschaftstest
Tipps für die Auswahl einer Genealogie-Software
Die größten Mythen und Irrtümer der Astronomie
Einige der skurrilsten Forschungsvorhaben in der Übersicht
Einige der berühmtesten Mythen und Irrtümer aus der Psychologie

Thema: Einige typische menschliche Denkweisen und Denkfehler

 
< Prev   Next >

Teilen

Bookmark and Share

mehr Artikel

Wie Adoptierte nach ihren Wurzeln suchen können Wie Adoptierte nach ihren Wurzeln suchen können Sehr viele Adoptierte hatten eine schöne und glückliche Kindheit. In ihren Adoptivfamilien, die sich ja bewusst dazu entschieden haben, ein Adoptivkind bei sich aufzunehmen, haben sie Schutz, Geborgenheit, Zuneigung und Liebe erfahren. Trotzdem bleiben häufig Fragen offen.   Ganzen Artikel...

Uneheliche Kinder in der Familienforschung Uneheliche Kinder in der Familienforschung Auf der Suche nach den Ahnen und Vorfahren treten immer wieder Hürden und Hindernisse auf. Sei es nun, dass kaum Unterlagen vorhanden sind, die entsprechenden Stellen nur widerwillig Informationen erteilen oder die Übersetzung der alten Dokumente aufgrund des Schriftbildes oder der lateinischen Sprache Probleme bereitet. Noch etwas komplizierter wird es, wenn uneheliche Kinder oder Adoptivkinder vermerkt sind. Ganzen Artikel...

Infos zu den Mendelschen Regeln Erklärende Infos zu den Mendelschen Regeln  Die mendelschen Regeln beschreiben die Vererbung von Merkmalen, bei denen ein Gen die Ausprägung bestimmt. Beispiele für solche Merkmale sind die Farbe von Erbsenblüten, die Form von Erbsensamen oder auch die Blutgruppen des Menschen. Die mendelschen Regeln gelten jedoch nur für diploide Organismen, also solche Organismen, die von jedem Elternteil je einen Chromosomensatz erben. Hierzu gehören Menschen sowie die meisten Tiere und Pflanzen. Für Organismen mit einem höheren Ploidiegrad sind aber entsprechende Ableitungen möglich. Früher wurden die mendelschen Regeln als mendelsche Gesetze bezeichnet.   Ganzen Artikel...

7 Tipps zur Gestaltung von Fotobüchern, 2. Teil 7 Tipps zur Gestaltung von Fotobüchern, 2. Teil Ein Fotobuch bringt nicht nur Ordnung in die private Bildersammlung, sondern gibt ihr auch einen schönen Rahmen. Ein paar Kleinigkeiten sollten bei der Gestaltung aber beachtet werden.   Ganzen Artikel...



Die Geschichte der Ahnenforschung Kurzer Überblick über die Geschichte der Ahnenforschung Auch heute noch werden Menschen in bestimmte Klassen, Gesellschaftsschichten oder Stände eingeteilt, es gibt Kastensysteme und im Rahmen von Erbschaftsfragen wird eine bestimmte Reihenfolge eingehalten. All dies erfolgt mit einem gewissen Selbstverständnis, das sich vielfach in der genealogischen Abstammung begründet. Aber die Genealogie oder die Ahnenforschung spielen nicht nur dann eine Rolle, wenn es darum geht, das Vermögen zu vererben, die Unternehmensnachfolge zu regeln oder seinen Segen für eine Beziehung zu geben.    Ganzen Artikel...

Translation

Themengebiete

Vorlage Stammbaum-Gliederung
Vorlage einer Stammbaum-Gliederung Unter einem Stammbaum versteht man zunächst die graphische Darstellung der Entwicklungsgeschichte ei...
Kultur der Kelten
Die Kultur der Kelten
Geschichte - einige legendäre deutsche Räuber
Geschichte mal anders: Einige legendäre deutsche Räuber im Kurzportrait Wenn es um legendäre Räuber geht, denken die me...
Anleitung Stammbaum Spiegel
Anleitung für einen gemalten Stammbaum auf einem Spiegel Um einen Stammbaum oder eine Ahnentafel anzufertigen, der allerdings weniger F...
Die Bedeutung adeliger Vorfahren
Die Bedeutung adeliger Vorfahren Auf der Suche nach den eigenen familiären Wurzeln kann es durchaus passieren, dass unerwarteter Weise...
Uebersicht von Schriften in Dokumenten
Übersicht über die am meisten verwendeten Schriften in Dokumenten Im Zuge der Familien- und Ahnenforschung kann insbesondere der e...

Suche

PDF-Download

Stammbäume PDF

Kommentare

Vererbung von Blutgr...
Stammbaum Perser
Vorteile und Grenzen...
Vererbung von Blutgr...
Stammbaum Perser

themesclub.com cms Joomla template
Copyright © 2018 Der Stammbaum  -  All Rights Reserved.
design by themesclub.com
themesclub logo