You are at: Der Stammbaum arrow Stammbaum Blog arrow Ritterturniere - die Idee dahinter und ihr Ablauf
Ritterturniere - die Idee dahinter und ihr Ablauf E-mail

Ritterturniere - die Idee dahinter und ihr Ablauf 

Wenn von Ritterturnieren die Rede ist, haben die meisten folgendes Bild vor Augen: Ein armer, aber ehrlicher und rechtschaffener Landmann und ein wohlhabender, gemeiner Bösewicht aus dem Adelsstand buhlen um die Gunst einer Edeldame. Um die Situation zu klären, messen sie sich in einem Turnier.

 

 

Die Fanfaren erklingen, die beiden Männer kommen hoch zu Ross und in glänzenden Rüstungen in die Arena und reiten mit ausgestreckten Lanzen aufeinander zu. Natürlich hat der Bösewicht dafür gesorgt, dass er das stärkere Pferd, die bessere Rüstung und die stabilere Lanze hat.

Vielleicht hat er auch die Strecke des Landmanns manipuliert oder wendet einen anderen unsauberen Trick an, um sicherzustellen, dass er das Duell für sich entscheidet. Zunächst sieht es auch so aus, als habe der Landmann keine Chance. Doch er kämpft und am Ende ist es der Bösewicht, der geschlagen auf dem Boden liegt.

Die Edeldame überreicht dem Landmann den Siegerpreis, der zugleich Symbol für ihre Gunst ist. Beeindruckt von der Leistung, schlägt der König, der das Spektakel als Zuschauer verfolgt hat, den armen Landmann zum Ritter aus Ehren. Der edle Ritter und die Edeldame können nun gemeinsam in eine glückliche Zukunft blicken.      

 

Ritterturniere - die Idee dahinter und ihr Ablauf

Was auf Mittelalterfesten und in Filmen für Unterhaltung sorgt, hat mit der Realität nur wenig zu tun. Es gab zwar tatsächlich Ritterturniere, allerdings waren sie nicht unbedingt Ausgangspunkt für Liebesgeschichten mit Happyend.

Die Geschichte der höfischen Turniere beginnt im 11. Jahrhundert. Seinerzeit kam an europäischen Höfen eine neue Lebensweise auf. Der ritterliche Ethos war von der Grundidee geprägt, in allen Dingen maßzuhalten. Dies sollte durch eine entsprechende Erziehung einerseits und Selbstdisziplin andererseits erreicht werden. Hinzu kamen Demut, Beständigkeit, Würde, Treue, Tapferkeit, Großzügigkeit sowie ein freundliches und heiteres Gemüt, die ebenfalls als ritterliche Tugenden galten. Die Ritterturniere gaben den Rittern nun die Möglichkeit, eben diese Tugenden unter Beweis zu stellen.

Die Erfindung des höfischen Turniers im eigentlichen Sinne wird dem westfränkischen Ritter Godefroi de Preuilly zugeschrieben. Er soll um 1066 auf die Idee gekommen sein, die notwendigen Waffenübungen und die regelmäßigen Übungskämpfe der Ritter nicht mehr nur als reine Übungseinheiten abzuhalten. Stattdessen sollten die kriegerischen Übungen genutzt werden, um den Kampfgeist und den Mut zu demonstrieren. Dabei standen die Ritterlichkeit und der Ehrgedanke im Vordergrund, es sollten keine feindseligen Auseinandersetzungen werden.

Dennoch floss bei den Kämpfen, die als Zweikampf, dem Tjost, und im Gruppengefecht, dem Buhurt, ausgetragen wurden, viel Blut. So mancher Ritter verlor sogar sein Leben. Der Ablauf eines Turniers unterlag klaren Regeln und folgte immer der höfischen Etikette. Doch auch ein verbessertes Regelwerk und entschärfte Waffen machten die Turniere nicht weniger gefährlich. Das Publikum nahm die Turniere begeistert an und so entwickelten sich die einstigen Übungskämpfe zu immer prächtigeren Veranstaltungen und prunkvolleren Spektakeln. 

 

Ritterturniere - vom Ehrgedanken zur Volksbelustigung

Im Laufe der Zeit veränderte sich der Charakter der höfischen Turniere. Die Zuschauer stellten immer höhere Ansprüche, die Kulissen wurden zunehmend aufwändiger und die Ritter mussten viel Geld in pompöse Rüstungen und Spezialwaffen investieren, um überhaupt an den Turnieren teilnehmen zu können. Doch nicht jeder Ritter verfügte über die erforderlichen finanziellen Mittel und so waren einige von ihnen gezwungen, die Turnierteilnahmen mit kommerziellen Absichten zu verbinden. Damit entstand ein neues Berufsbild, nämlich das des Berufs-Turnierritters.

Während früher bei höfischen Turnieren um die Ehre geritten wurde und ein Kuss oder ein kleines Tuch einer Edeldame als symbolischer Pfand als Lohn genügte, verdienten Berufs-Turnierritter ihren Lebensunterhalt mit den Schaukämpfen. Dies erfolgte jedoch nicht immer mit fairen Mitteln. So war es beispielsweise üblich, dass der Besiegte eine hohe Prämie bezahlen musste, um sein Pferd oder seine Rüstung zurückzubekommen. Weigerte er sich, die Zahlung zu leisten, halfen nicht selten die Knechte des Siegers mit eisenbeschlagenen Keulen nach.

Die Turniere selbst entwickelten sich zu wüsten Raufereien, bei denen es nicht mehr um den ritterlichen Gedanken, sondern um die Belustigung und Unterhaltung des Publikums ging. Um für spektakuläre Effekte zu sorgen, wurde mit verschiedenen Tricks gearbeitet. So trugen die Ritter beispielsweise Schweineblasen, die mit Rotwein gefüllt waren, unter ihren Rüstungen, um so bei einem Treffer einen Blutschwall zu imitieren.  

 

Ritterturniere - ihr Ende und das Comeback

Anfang des 17. Jahrhunderts ging die Zeit der höfischen Ritterturniere zu Ende. Sie hatten ihren Glanz und den edlen Anspruch, die ritterlichen Tugenden zu pflegen, längst verloren und waren stattdessen zu reinen und zudem teuren Prügeleien geworden. Neben der Ritterlichkeit und der Kampfeskunst hatte auch die Reitkunst massiv gelitten. So standen die Turnierritter in ihren zentnerschweren Rüstungen mit ausgestreckten Beinen in Stehsatteln auf den Pferden.

Die hohen Lehnen der Sattel gaben den Turnierrittern zwar Halt, gleichzeitig war es in dieser Position aber kaum möglich, Einfluss auf die Pferde zu nehmen. Also kamen lange, spießartige Sporen und foltergerätähnliches Zaumzeug zum Einsatz.  Heute erfreuen sich Ritterturniere auf Mittelalterfesten wieder großer Beliebtheit. Dabei findet aber eine Rückbesinnung auf die Ursprungsidee statt.

Es geht also nicht um niveaulose Raufereien, sondern die Reitkunst und der gekonnte Umgang mit Lanzen, Ringen und anderem Gerät steht im Vordergrund. Es werden verschiedene Wettbewerbe ausgetragen und die Zuschauer können sich an edlen Rössern und noblen Rüstungen erfreuen. Zudem wird im Sinne der alten Tradition üblicherweise nicht um irgendwelche Preisgelder, sondern um die Ehre geritten.

Mehr Berichte, Vorlagen und Tipps:

Fragen und Antworten zur Zeitumstellung
Was hat es mit dem phänologischen Kalender auf sich?
Aberglaube Brauchtum Kurioses rund ums Fegen
Die Geschichte der deutschen Flagge
Sünde Vergebung und Ablass in der katholischen Kirche
Walpurgisnacht: Gab es die Flugsalben der Hexen wirklich?

Thema: Ritterturniere - die Idee dahinter und ihr Ablauf

 
< Prev   Next >

Anzeigen

Teilen

Bookmark and Share

mehr Artikel

Weltweit kuriose Riten und Bräuche zu Karneval Einige der weltweit kuriosesten Riten und Bräuche zu Karneval   Weltweit gibt es einige Karnevalshochburgen und ob Rio de Janeiro, Venedig, Köln oder Mainz, das Feiern der närrischen Tage blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zu den typischen Traditionen gehören bunte Kostüme und Umzüge mit aufwändig geschmückten Wagen, es wird bis in die Morgenstunden zu einschlägiger Karnevalsmusik getanzt, es gibt deftiges Essen und auch Alkohol gehört zur fünften Jahreszeit irgendwie dazu.    Ganzen Artikel...

Aberglaube Brauchtum Kurioses rund ums Fegen Aberglaube, Brauchtum und allerlei Kurioses rund ums Fegen Manche lassen sich in ihrem Handeln und Denken vom Aberglauben beeinflussen, manche finden die Regeln, Bräuche und Gepflogenheiten amüsant und schmunzeln darüber und manche halten den Aberglauben schlichtweg für esoterischen Unsinn. Insgesamt ist es jedoch schon erstaunlich, wie viele verschiedene Bräuche und Vorschriften es gibt.   Ganzen Artikel...

Haben es Einzelkinder leichter oder schwerer? Haben es Einzelkinder leichter oder schwerer? Früher waren Einzelkinder eine seltene Ausnahme. Natürlich mag dies auch ein Stück weit der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die Familienplanung aus Mangel an Alternativen der Natur überlassen wurde. Trotzdem war es fast selbstverständlich, dass ein Paar schon bald nach der Eheschließung eine kinderreiche Familie gründen würde.   Ganzen Artikel...

Anleitung fuer ein Ortsfamilienbuch Anleitung zum Schreiben und Vermarkten von einem OrtsfamilienbuchGrundsätzlich gibt es eine Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten, wie ein Ortsfamilienbuch geschrieben und gestaltet werden kann. Insofern ist es durchaus sinnvoll, zunächst ein Archiv oder eine Bibliothek aufzusuchen und sich mithilfe der dortigen Sammlung einen Überblick über die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten zu verschaffen.  Ratsam ist außerdem, mit einer Art Probelauf zu beginnen.  Ganzen Artikel...



Infos rund um Urbarien Infos rund um Urbarien  Nachdem sich Familien- und Ahnenforscher unterschiedlicher Quellen bedienen, um Informationen zu sammeln, können für sie sicher auch Urbarien interessant sein.  Bei einem Urbar handelt es sich um ein Verzeichnis, in dem die Besitzverhältnisse einer Grundherrschaft erfasst sind. In den Grundzügen ist ein Urbar damit mit dem heutigen Grundbuch vergleichbar.  Neben den Besitzrechten sind in einem Urbar darüber hinaus jedoch auch die Leistungen dokumentiert, die die Grunduntertanen der Grundherrschaft gegenüber erbringen mussten.     Ganzen Artikel...

Translation

Themengebiete

Infos rund um Urbarien
Infos rund um Urbarien Nachdem sich Familien- und Ahnenforscher unterschiedlicher Quellen bedienen, um Informationen zu sammeln, könne...
Grundstrukturen molekularer Stammbaeume
Grundstrukturen molekularer Stammbäume Zunächst befasst sich die Molekularbiologie mit den Strukturen, Biosynthesen und Funktione...
7 Tipps zur Gestaltung von Fotobüchern
7 Tipps zur Gestaltung von Fotobüchern Fotobücher sind schön und praktisch - sowohl für die private Bildersammlung als a...
Gene - interessante Fakten und Infos
Gene - interessante Fakten und wissenswerte Infos Wer sich intensiver mit der Familien- und Ahnenforschung beschäftigt oder auch, wer s...
Infos Familienwappen
Infos rund um das Familienwappen Zunächst handelt es sich bei Wappen um bildliche, gleichbleibende Kennzeichen einer Körperschaft...
Tradition über Generationen: Studentenverbindungen
Tradition über Generationen: Studentenverbindungen Merkwürdige Rituale, seltsame Gepflogenheiten, ungewöhnliche Narben im Ges...

Datenschutz - Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies zur Verbesserung des Angebots und zu Werbezwecken. Einwilligen? Akzeptieren & Infos

Suche

PDF-Download

Stammbäume PDF

Kommentare

Vererbung von Blutgr...
Stammbaum Perser
Vorteile und Grenzen...
Vererbung von Blutgr...
Stammbaum Perser

Anzeigen


themesclub.com cms Joomla template
Copyright © 2019 Stammbaum Vorlagen - Familie, Tipps und Ratgeber  -  All Rights Reserved.
design by themesclub.com
themesclub logo
Autoren & Betreiber Artdefects Media Verlag